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Mehrzweckleiter prüfen

Eine Mehrzweckleiter ist durch Gelenke zwischen den Leiterteilen in der Lage, verschiedene Aufstellformen anzunehmen, etwa als Anlegeleiter, als Stehleiter oder als Arbeitsbock mit Spreizsicherung. Diese Flexibilität ist ihr Vorteil im Praxisalltag, bedeutet aber für die Prüfung, dass nicht nur ein statischer Aufbau kontrolliert wird, sondern die Funktion der Gelenke und Verriegelungen in jeder vorgesehenen Konfiguration.

Aktualisiert: September 2026

Was ist eine Mehrzweckleiter?

Eine Mehrzweckleiter besteht aus zwei oder mehr Leiterteilen, die über Gelenke miteinander verbunden sind. Durch Umklappen der Gelenke kann die Leiter in unterschiedlichen Formen aufgestellt werden: als Anlegeleiter an einer Wand, als freistehende Stehleiter mit Spreizung oder als beidseitig begehbare Leiter in Bockform.

Die Gelenke sind mit Verriegelungen ausgestattet, die in jeder Aufstellform eine bestimmte Position sichern. Im Spreizzustand greift zusätzlich eine Spreizsicherung, die ein Auseinanderklappen der Leiterteile verhindert. Die DIN EN 131 stellt Anforderungen an die Konstruktion dieser Verbindungs- und Sicherungselemente.

Prüfbereiche einer Mehrzweckleiter

Die Prüfung einer Mehrzweckleiter umfasst die allgemeinen Leiter-Prüfpunkte und zusätzlich die Bauteile, die die Flexibilität der Leiter ermöglichen:

  • Gelenke: Die Gelenkverbindungen zwischen den Leiterteilen sind auf Spiel, Verschleiß, Korrosion und Verformung zu prüfen. Ein Gelenk mit spürbarem Spiel kann unter Belastung nachgeben.
  • Verriegelungen: Die Sperren, die die Leiterteile in der jeweiligen Aufstellform fixieren, müssen in jeder vorgesehenen Position vollständig einrasten und sich nicht unbeabsichtigt lösen.
  • Leiterteile: Die Holme und Sprossen jedes Teilstücks werden wie bei einer festen Leiter auf Risse, Verformung und Beschädigung geprüft.
  • Spreizsicherungen: Wenn die Leiter in gespreizter Form aufgestellt wird, ist die Spreizsicherung auf Funktion zu prüfen. Sie muss ein Auseinanderklappen verhindern.
  • Stand- und Fußbereiche: Die Leiterfüße und Aufstandspunkte müssen in jeder Aufstellform einen sicheren Stand gewährleisten.
  • Verbindungselemente: Bolzen, Schrauben und Nietverbindungen an den Gelenken sind auf festen Sitz zu prüfen.
  • Kennzeichnungen: Traglastangabe, Typschild und Herstellungsdatum müssen vorhanden und lesbar sein.

Warum ist die Prüfung einer Mehrzweckleiter komplexer als die einer einfachen Leiter?

Eine einfache Leiter hat einen festen Aufbau: Die Holme sind starr verbunden, die Sprossen fest verpresst. Die Prüfung konzentriert sich auf diese festen Verbindungen. Eine Mehrzweckleiter hat dagegen bewegliche Gelenke, die in der Praxis ständig betätigt werden, wenn die Leiter umkonfiguriert wird. Jedes Gelenk ist eine potenzielle Schwachstelle.

Die Verriegelungen müssen in jeder Aufstellform korrekt einrasten. Eine Verriegelung, die in der Anlegeleiter-Position funktioniert, kann in der Bock-Form ein anderes Lastprofil haben und möglicherweise nicht vollständig greifen. Deshalb muss die Funktionsprüfung alle vorgesehenen Konfigurationen abdecken.

Die Spreizsicherung ist ein weiteres Bauteil, das bei festen Leitern nicht vorhanden ist. Sie muss bei der Prüfung im gespreizten Zustand daraufhin kontrolliert werden, ob sie ein ungewolltes Zusammenklappen zuverlässig verhindert.

Typische Schäden und kritische Verbindungspunkte

Die häufigsten Mängel an Mehrzweckleitern betreffen die Gelenke und Verriegelungen, die durch häufiges Umklappen Verschleiß unterliegen:

  • Gelenk mit spürbarem Spiel oder Abrieb an den Kontaktflächen
  • Verriegelung rastet in einer Aufstellform nicht vollständig ein
  • Spreizsicherung beschädigt oder in ihrer Funktion beeinträchtigt
  • Gelenkbolzen gelockert oder korrodiert
  • Holme im Bereich der Gelenke mit Druckstellen oder Rissen
  • Sprossen im Gelenkbereich gelockert
  • Leiterfüße abgenutzt, rutschfestauflage abgewetzt
  • Kennzeichnung abgefallen oder unleserlich

Prüfablauf und Funktionsprüfung

Die Sichtprüfung umfasst alle Holme, Sprossen, Füße, Gelenke und Verbindungselemente. Dabei wird auf Risse, Verformung, Korrosion und Verschleiß geachtet. Die Gelenke werden auf Spiel und gleichmäßige Bewegung kontrolliert.

Die Funktionsprüfung ist bei Mehrzweckleitern der aufwendigste Teil. Jede Aufstellform, die in der Praxis genutzt wird, wird durchgetestet: Die Verriegelung wird in jeder Position auf vollständiges Einrasten geprüft, die Spreizsicherung im gespreizten Zustand auf Funktion kontrolliert. Es ist zu prüfen, ob die Leiter in jeder Konfiguration standsicher steht und sich nicht ungewollt verstellen lässt.

Zuletzt wird die Kennzeichnung kontrolliert. Das Prüfergebnis wird im Prüfprotokoll dokumentiert, einschließlich der geprüften Aufstellformen.

Mehrzweckleiter mit PrüfAssist prüfen und verwalten

QR-Code und NFC: Jede Mehrzweckleiter wird mit einem QR-Code oder NFC-Tag erfasst. Beim Scannen wird der aktuelle Prüfstatus angezeigt.

Typspezifische Prüfpunkte: PrüfAssist bietet für Mehrzweckleiter eine eigene Prüfvorlage mit Prüfpunkten für Gelenke, Verriegelungen, Spreizsicherungen und alle weiteren relevanten Bauteile.

Mängelfotos und Maßnahmen: Festgestellte Mängel werden mit Foto dokumentiert und mit Maßnahmenpriorisierung erfasst. Ein defektes Gelenk wird sofort gesperrt, abgenutzte Füße können terminiert werden.

Fristenüberwachung: Prüffristen werden automatisch überwacht. PrüfAssist erinnert rechtzeitig an die nächste Prüfung.

PDF-Protokoll und Prüfhistorie: Nach der Prüfung wird ein PDF-Protokoll generiert. Die vollständige Prüfhistorie jeder Mehrzweckleiter ist abrufbar.

Häufige Fragen

Die Prüffrist wird in der Gefährdungsbeurteilung festgelegt. Die DGUV Information 208-016 gibt als Anhaltswert eine jährliche Prüfung durch eine befähigte Person an. Da Mehrzweckleiter in unterschiedlichen Aufstellformen verwendet werden, sollten Einsatzbedingungen und Häufigkeit der Umkonfiguration bei der Festlegung der Prüffrist berücksichtigt werden.